17. September 2020 - 19:00 bis 22:00
Stadtbibliothek Dornbirn, Dornbirn
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Lesung // Gertraud Klemm: Hippocampus | Donnerstag, 17. September 2020

Gertraud Klemm legt den Finger dorthin, wo es wehtut. Am Beispiel der Literaturbranche zeigt sie, wie es um die gleichberechtigte Wahrnehmung von Frauen tatsächlich steht;und dass es mehr Rebellion und Mut braucht, um wirklich etwas zu verändern.



Helene Schulze, vergessene feministische Buchautorin, wird kurz nach ihrem Tod völlig überraschend zur Kandidatin für den Deutschen Buchpreis. Ihre Freundin Elvira soll ihren Nachlass verwalten. Sie beschließt, mittels Aktionskunst auf die Heuchelei und die Frauenfeindlichkeit des Literaturbetriebs aufmerksam zu machen. Dazu bricht sie zusammen mit Adrian, einem viel jüngeren Kameramann, zu einem Roadtrip durch Österreich auf.



Die Figur der Elvira ist gegen den Strich gebürstet, rau im Umgang, unabhängig in ihrer Denkweise. Sie steht zu ihrer Wut über die männerlastige Ehrungsmaschinerie und scheut sich nicht vor Konsequenzen. Da geht jemand in die Offensive, weil es sonst nicht weh tut. Und wenn es nicht wehtut, wird nichts geändert.



Der literarische Stil: knappe, wie hingeworfene Sätze, direkt und unverblümt. Spannend: die Entwicklung der Arbeitsbeziehung zwischen Elvira und Adrian. Zwei, die zu Beginn nicht weiter auseinander sein könnten. Da gibt es einen sehr überraschenden, frechen und mutigen Schluss. Ein lauter Kontrapunkt zum Happyend schmalziger Hollywoodfilme. Ein energiegeladenes Buch, das aufrüttelt.



Die Lesung wird aus Mitteln der Büchereiförderung des Bundes gefördert.



Eintritt: 5 Euro

Info & Anmeldung: stadtbibliothek​(at)​dornbirn.at oder T +43 5572 306 4820



Gertraud Klemm: Hippocampus

Kremayr & Scheriau 2019



Foto: Bogenberger Autorenfotos